Gemeinsam Türen öffnen: Fünf Paten – drei Fragen – Fünf Perspektiven: heute mit Patin Iva Procházková

Zusätzlich zum Programm des Gastlandes Tschechien am Nationalstand in Halle 4 und in der Stadt Leipzig finden vom 21. bis 24. März Lesungen und kreative Workshops zu Kinder- und Jugendbüchern sowie Comics in der Halle 2 statt. Die Patenschaft über das Kinder- und Jugendbuchprogramm haben die Autoren Iva Procházková und Petr Sís inne.

Iva ProcházkováWas hat Sie dazu motiviert eine Patenschaft für den Gastlandauftritt der Tschechischen Republik zu übernehmen?

Die Jahre, die ich während des Kommunismus in Westdeutschland verbracht habe – ich musste aus der Tschechoslowakei aus politischen Gründen emigrieren – haben mir ganz klar gezeigt, wie nahe sich diese beiden Länder kulturell stehen. Auf meinem Gebiet, also in der Kinder- und Jugendliteratur, habe ich diese Nähe besonders stark gemerkt, denn mit meinen Buchhelden konnten sich auch deutsche Kinder und Jugendliche identifizieren. Und das betraf nicht nur meine eigene Arbeit: Tschechische Bücher, Filme und Serien für Kinder waren in Deutschland – sowohl im Westen als auch im Osten – sehr beliebt. Das hat mir Selbstvertrauen gegeben, weiterzuschreiben und die Aufgabe einer Mittlerin zwischen unseren beiden Ländern zu übernehmen. Diese Aufgabe besteht auch nach der politischen Wende Anfang der 90er Jahren weiter. Gerade jetzt ist es wichtig, den kleinen Lesern die Möglichkeit zu geben sich zu überzeugen, dass ihre Nachbarn ähnlich denken und fühlen wie sie und dass die Unterschiede, die es zwischen uns gibt, einen positiven Charakter haben. Denn die Unterschiede bereichern das europäische und kulturelle Spektrum und sollten daher keine Ängste auslösen.

Wieso hat Sie gerade dieses Thema gereizt?

Literatur für Kinder ist aus meiner Sicht die Basis der Lesefähigkeit. Kinder, die gerne lesen, werden sehr wahrscheinlich auch als Erwachsene lesen. Wenn wir wollen, dass Europa gebildet und belesen ist, müssen wir uns dafür aktiv einsetzen. Die Literatur bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten: von Bilderbüchern über fiktive und reale Geschichten bis hin zum Comic.

Welche Impulse sollte der Gastlandauftritt der Tschechischen Republik der tschechischen Literaturszene bringen?

Zunächst eine Erhöhung des Selbstvertrauens und des Mutes, sich mit der Literaturszene anderer, auch größerer Länder zu vergleichen. Außerdem ist der Gastlandauftritt die beste Möglichkeit, zu erfahren, ob die Themen tschechischer Autorinnen und Autoren auch außerhalb unseres Landes Anklang finden. Und zuletzt hoffe ich auf das Erwachen des Interesses internationaler Verlage für Übersetzungen tschechischer Literatur, von welchen es bis heute nicht genug gibt.

Deshalb: Zeigen wir das Beste, was die Buchmesse zu bieten hat, heben wir die Besonderheiten hervor, welche die tschechische Literatur einzigartig machen und überzeugen wir in Leipzig die Leser und Fachleute, dass es sich lohnt, gemeinsam Türen zu öffnen.

Über Iva Procházková

Iva Procházková, geboren1953 in der Tschechoslowakei, emigrierte Anfang der 80er Jahre nach Österreich. Mit ihrem Mann und drei Kindern lebte sie zuerst elf Jahre in Wien, später in Konstanz am Bodensee und zuletzt in Bremen. Von dort kehrte die Familie nach Prag zurück, wo die Autorin heute lebt und arbeitet. Ihre Kinder- und Jugendbücher wurden mit einer Reihe prestigeträchtiger Preise ausgezeichnet wie z. B. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Evangelischen Buchpreis, dem Luchs-Buchpreis 2012, der tschechischen Auszeichnung Magnesia Litera und dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. In den letzten Jahren schreibt Procházková vor allem Belletristik für Erwachsene. Im Verlag Braumüller erschien im Herbst ihr Kriminalroman „Der Mann am Grund“ und vor kurzem beendete sie die Arbeit an einem Politthriller mit brisantem Plot, welcher die Grenzen der tschechischen Politik „kompromisslos“ überschreitet. Die deutsche Verfilmung ihres Buches „Orangentage“ feiert zur Leipziger Buchmesse, am 20. März, 14:45 Uhr, im Regina-Palast Leipzig seine Premiere.

Werke (Auswahl):

Eliáš a babička z vajíčka (Elias und die Oma aus dem Ei)

Myši patří do nebe (Auch Mäuse kommen in den Himmel)

Nazí (Die Nackten)

Tanec trosečníků (Wir treffen uns, wenn alle weg sind)

Uzly a pomeranče (Orangentage)

Muž na dně (Der Mann am Grund)

Das Patenprogramm

Auf dem Leipziger Messegelände, vor allem am tschechischen Stand in Halle 4, finden zum Gastlandauftritt Tschechiens auf der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März 2019) jeden Tag Lesungen und Diskussionen unter einem bestimmten Thema statt, für das jeweils ein tschechischer Schriftsteller Pate steht. Zusätzlich läuft über alle vier Tage hinweg das Programm mit Kinder- und Jugendbüchern sowie Comics in der Halle 2. Dort finden unter der Patenschaft von Iva Procházková und Petr Sís Lesungen und kreative Workshops statt.

  • am 21. März: „Literatur im Ausnahmezustand“ mit Patin Radka Denemarková,
  • am 22. März: „Aufbruch und Wandlung - Generation 89“ mit Pate Jaroslav Rudiš,
  • am 23. März: „Krisenzeiten? - Europa heute“ mit Pate Jiří Přibáň,
  • am 24. März: „Literatur der Beunruhigung“ mit Pate Tomáš Glanc,
  • vom 21. bis 24. März: „Kinder- und Jugendbuchliteratur sowie Comics“ mit Patin Iva Procházková und Petr Sís

Foto: David Konečný 

 

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